Chemie-Stunden sind schon was Feines, besonders die letzten Stunden
vor den Ferien: da gibt's meistens "lustige" Geschichten passend
zur Jahreszeit. Zum Beispiel eine nette Schrumpfkopfgeschichte zu Ostern
oder "warum der Osterhase Osterhase heißt". Manchmal liest
Herr Burger auch aus "Meine Schwester Klara" vor und läßt
Gummibärchen verteilen (dann haben wir ihn alle lieb) ... Hier ein
Protokoll der letzten Stunde vor den Weihnachtsferien 96/97:
Versuch "Herstellung von Glühwein"
Versuchsmaterial:
Billig-Rotwein von Herrn Burger
Gewürze und Orangensaft von den Schülern
ein Bunsenbrenner
ein Glasbottich aus dem Chemieschrank
diverse Meßbecher aus dem Chemieschrank
und natürlich die altbewährten Schutzbrillen
Versuchsvorbereitung:
Herr Siegs berüchtigtes Glühwein-Rezept wird noch einmal
durchgesprochen, während die Schüler ihre Gewürze und den
Orangensaft hervorholen
Herr Burger, haben Sie auch einen Kochtopf mitgebracht?" "Nö,
brauchen wir nicht. Haben wir alles hier."
Herr Burger holt den Glasbottich und die Meßbecher aus dem
Chemieschrank
unsichere Blicke; erste Proteste, aber es half nichts ...
nach Burgers Anweisungen wurden die Chemie-Versuchsutensilien mit
heißem Wasser (Spülmittel hatte Herr Burger gerade nicht da)
abgespült
Schülerin A. und Schüler P. erklären sich bereit,
den Versuch durchzuführen, der Rest ißt Kuchen und spielt Trivial
Pursuit Versuchsverlauf:
die Zutaten wurden in dem Glasbottich verrührt
Schülerin A. und Schüler P. setzen die modischen Schutzbrillen
auf
nachdem der Bunsenbrenner auf die richtige Temperatur eingestellt
wurde, wurde der Glasbottich mit dem Inhalt unter Rühren erhitzt
"Ach ja, wenn der Glasbottich zu sehr erhitzt wird, könnte
das Glas zerspringen
aber kein Grund zur Beunruhigung ..."
der Kurs nimmt unauffällig Abstand vom Glasbottich und dem
Bunsenbrenner
Herr Burger unterhält sich angeregt mit Schülerin N. über
das Verhalten ihrer Goldhamster
Schülerin A., die rühren muß, und Schüler P.,
der sich auch leicht vom Versuchsort entfernt, fahren nach kurzem Zögern
etwas verunsichert mit der Herstellung des Glühweins fort
nach kurzer Zeit beschließt Burger, daß der Glühwein
warm genug sei ("denn wenn er noch länger erhitzt wird, verfliegt
der schöne Alkohol")
Herr Burger bietet seine Meßbecher als Trinkgefäße
an
die Schüler lehnen dankend ab und teilen sich die Trinkbecher,
die einige mitgebracht haben
zaghaftes Probieren des Glühweins
Versuchsergebnis:
keine Verätzungen oder andere Nebenwirkungen, die auf den Wein
zurückzuführen wären: der Glühwein schmeckt besser
als erwartet
Ende der Stunde
die "bösen Buben aus dem Physik-GK" (wie Herr Burger
sie gerne nennt), "die wir eigentlich nicht in den Chemie-Raum reinlassen
dürfen, weil sie etwas kaputt machen oder an den Chemikalien nippen
könnten", wollen auch Glühwein haben
die Schüler gehen nach Hause (einige immer noch in Erwartung
irgendwelcher Vergiftungssymptome