Wien '96 - oder Bus fahrn is wie wenze fliechst !
Eigentlich - so sollte man meinen - ist die Busfahrt der wohl langweiligste Teil einer Kursfahrt. Wer aber als
Deutsch-Leistungskürsler auf große Fahrt nach Wien ging, wird hier sicherlich anderer Meinung
sein, schließlich kam dieser Kurs in der Genuß des außerordentlich "begabten"
Busfahrers "Christian", der uns schon auf der Autobahn einen merkwürdigen Fahrstil zeigte:
Angeblich wurde die Standspur wegen der Spurrillen halb mitbenutzt; aus heutiger Sicht ist wohl der wirkliche
Grund eher die Nähe zum Stehen im Falle einer recht wahrscheinlichen Panne gewesen.
Als wir dann - irgendwie - am Montagabend in Wien angekommen waren, schien "Christian" offensichtlich
das "Autobahnende"-Schild verpaßt zu haben - wie sonst läßt sich
wohl erklären, daß er in bester Rennfahrermanier mit gut und gerne siebzig Sachen durch die
Stadt fegte, garniert mit zwei Beinahe-Vollbremsungen.
Daß "Christian" am folgenden Tag während der obligatorischen Stadtrundfahrt beinahe
Schilder und Menschen umfuhr und auch mal so spät bremste, daß er uns dann bat, doch zu
sagen, wann "Grün" ist, da er die Ampel nicht mehr sah, sollte uns spätestens am
Donnerstag harmlos erscheinen.
Als wir uns nämlich an jenem Nachmittag auf den Weg machten, um von unserem Ausflugsort Bratislava
wieder nach Wien zu gelangen, kamen wir nur wenige hundert Meter weit. Auf der Auffahrt zur recht hohen
Donau-Brücke von Bratislava begann unser Bus auf einmal zu bocken wie ein wildes Pferd. Mehr
oder minder begeistert bewegten wir uns so in unserem bockenden Bus über die - für einige Mitfahrer
zu hohe - Donau-Brücke, um am Ende dieser wieder runterzurollen.
So kamen wir auf einer Straße zum Stehen, bei deren Anblick sich dem Schreiber unwillkürlich
der Vergleich mit einer russischen Ausfallstraße aufdrängte: Zur rechten Seite eine Messehalle
und zur linken Seite die Hinterlassenschaften des "realexistierenden Sozialismus", sprich: bewundernswert
häßliche Plattenbauten.
In dieser Idylle unternahm "Christian" nun verzweifelt Versuche, den Bus zu reparieren, die begleitenden
Lehrer versuchten einen neuen Bus zu organisieren, und die Schülerschaft setzte sich vor den
kläglich gescheiterten Bus, um dort (zum teil) die gerade billig eingekauften Bierdosen zu konsumieren
und diese zu einem mannshohen Turm zu stapeln.
Irgendwie kamen wir dann noch mit einem slowakischen Bus nach Wien; "Christian" hielt derweil
mit zwei abenteuerlustigen Mitschülern den Posten. Ziemlich genau drei Stunden vor der geplanten
Heimfahrt kam dann auch "Christian" wieder mit Bus in Wien an, legte sich für ganze 3,5
Stunden aufs Ohr und kutschierte uns anschließend wieder nach Oberhausen. Obwohl er nun fast gar
nicht geschlafen hatte, fuhr er dabei zu unser aller Erstaunen relativ normal; und - kaum zu glauben, aber wahr
- alle Teilnehmer haben es überlebt.
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